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Pressegespräch Fassaden

Pressegespräch zum Forschungsprojekt "Fassadensysteme im Fokus der Lebenszyklusbetrachtung" am 24.10.2017

Landesinnungsmeister Bmst. DI Alexander Pongratz, Landesinnung Bau Steiermark und DI Dr. Ewald Hasler, Projektleiter FH JOANNEUM GmbH informieren zu den Ergebnissen der Projektsstudie.

Die mit Abstand meistgenutzte Fassade ist die WDVS-Lösung mit EPS als Dämmstoff. Folgekosten werden bei der Entscheidung für eine Fassade oft außen vorgelassen. Feuchtigkeit ist eine typische Ursache für Mängel und Schäden. Je besser der Schutz durch Vordächer und Balkone, desto später tritt Algenbewuchs ein. Aus wirtschaftlicher Sicht zeigen sich bei den Folgekosten die größten Unterschiede.

Im Bauplanungsprozess eines Gebäudes sollte bei der Auswahl einer Fassade nicht nur das Erscheinungsbild entscheidend sein. Denn auch eine Vielzahl technischer, ökonomischer und ökologischer Aspekte spielt eine wesentliche Rolle. Aufbauend auf dieser Ausgangslage wurde von der FH JOANNEUM im Auftrag der Landesinnung Bau Steiermark eine Studie zu Lebenszyklen von Fassadensystemen durchgeführt.

Die Studie weist auf häufig auftretende Mängel und Schäden bei Fassadensystemen hin und schafft für Bauherren und Baumeister eine Entscheidungsgrundlage bei der Auswahl. Insgesamt 106 Objekte an 31 Standorten in der Steiermark bilden die Basis der Untersuchung.

Populär beim Wohnbau: WDVS-Fassaden mit EPS Dämmstoff

Die Auswahl und Menge der untersuchten Objekte sind repräsentativ für den gesamten Gebäudebestand. Der Schwerpunkt der Auswertungen liegt auf der Wärmeverbundsystemfassade (WDVS), da diese die meistgenutzte Fassade im Wohnbau ist. Die ausgewählten Fassadenkonstruktionen teilen sich in drei Konstruktionsprinzipien auf: 75 % sind WDVS-Fassaden, 8 % monolithische Fassaden und 17 % Holzfassaden. Der gesamte Dämmstoffverbrauch in Österreich veranschaulicht, dass EPS mit 85 % der am weitesten verbreitete Stoff bei der Dämmung ist. Daneben machen Mineralstoffe nur 10 % aus, der Rest fällt auf sonstige Materialien.

Auch Folgekosten sollten berücksichtigt werden

In der Baupraxis werden bei der Entscheidung für die richtige Fassade die Errichtungskosten meistens am stärksten gewichtet. Dies führt zu einem überproportionalen Einsatz von erdölbasierten Dämmungen. Zwar mögen bei diesen die Baukosten vergleichsweise günstig sein, allerdings benachteiligen sie massiv alternative, ökologisch nachhaltige Fassadensysteme. „Durch den Anstieg der Energiekosten und gesetzlichen Regelungen werden immer mehr erdölgebundene Dämmstoffe auf die Mauern aufgebracht. Doch vor allem Aspekte wie die Nutzungsdauer und Wartungsintervalle dieser Fassadensysteme sind derzeit noch nicht ausreichend wissenschaftlich erforscht“, erklärt DI Dr. Ewald Hasler, Projektleiter FH JOANNEUM GmbH. Bei der Planung sollten auch die Folgekosten über den gesamten Lebenszyklus in Betracht gezogen werden. Darunter fallen Kosten für Instandhaltung, Wartung, Reparatur und Reinigung.

Feuchtigkeit verursacht häufige Mängel und Schäden

Die hohen energetischen Anforderungen, die Gebäude heutzutage erfüllen müssen, sind mitverantwortlich für Mängel an Fassaden. Aufgrund dieser Bedingungen hat die Dämmstoffdicke an Außenwänden im letzten Jahrzehnt drastisch zugenommen (Mitte der 90er-Jahre 5-10 cm auf aktuell 15 cm und mehr). Die Folge: Niedrigere Oberflächentemperaturen sorgen für  eine längere Kondensationszeit und damit mehr Feuchtigkeit – sprich eine erhöhte Fehleranfälligkeit.

Insgesamt konnten nur bei wenigen untersuchten WDVS-Fassaden Mängel auf eine fehlerhafte Ausführung zurückgeführt werden. Vielmehr wurde festgestellt, dass vor allem der Sockel der Fassade durch Feuchtigkeit und mechanische Beanspruchung den höchsten Schaden davonträgt. Oft weisen Lösungen mit WDVS bereits nach kurzer Zeit Schäden auf, weshalb diese Konstruktionsweise hier nicht empfehlenswert ist. Weitere typische Mängel und Schäden sind Risse. Während bei WDVS-Systemen Risse vereinzelt in der untersten Plattenreihe sowie unterhalb von Fensterbänken auftauchen, sind sie bei monolithischem Mauerwerk meistens im Bereich der Decken- und Sturzauflager zu finden.

Späterer Algenbewuchs durch Vordächer und Balkone

Die häufigste Beeinträchtigung von WDVS-Fassaden ist laut Studie der Befall durch mikrobiellen Bewuchs bzw. Veralgung. In diesem Fall ist zugunsten des optischen Erscheinungsbildes eine Reinigung und Überarbeitung der Fassade bereits nach wenigen Jahren notwendig. Bei der Lebenszykluskostenbetrachtung zeigen sich die Unterschiede des konstruktiven Schutzes von Fassaden sehr deutlich – ohne Vordach bzw. Balkon ist alle fünf bis sieben Jahre eine Reinigung erforderlich.

Besonders früh betroffen von Algenbewuchs sind WDVS-Fassaden mit EPS als Dämmstoff. Hingegen tritt an WDVS-Systemen mit Mineralwolle aufgrund der größeren Masse des Systems weniger Veralgung auf. Einige mineralwollgedämmte Fassaden sind sogar ohne Witterungsschutz durch ein Vordach nach sechs bis acht Jahren Standzeit nahezu algenfrei. Ein weiterer auffälliger Algenbewuchs-Verursacher sind dauergekippte Fenster. Durch Kondensat aus warmer, feuchter Raumluft tritt Veralgung früher und stärker auf.

Bei unbehandelten Holzfassaden zeigt sich die häufigste Beeinträchtigung in der Vergrauung des Holzes. Die ungleichmäßige Verwitterung ist abhängig von der Himmelsrichtung. Unter Dachvorsprüngen, die vor Schlagregen geschützt sind, tritt die Vergrauung verzögert auf, sodass ein inhomogenes Erscheinungsbild der Fassade entsteht.

Wirtschaftlichkeitsbetrachtung: Fassadensysteme im Vergleich

Aus wirtschaftlicher Sicht hat sich die durch ein Vordach geschützte WDVS-Fassade mit EPS-Dämmung als kostengünstigste Fassade erwiesen. Der verzögerte mikrobielle Bewuchs führt zu längeren Reinigungszyklen und verringert dadurch die Lebenszykluskosten um ca. 15 %.

Eine ebenso günstige Variante ist die vorgehängte hinterlüftete Fassade mit Holzbekleidung. Bei dieser fallen innerhalb einer Lebensdauer von 40 Jahren keine Wartungskosten an. Bei einer Fassade mit WDVS aus Mineralwolle muss zwar mit  höheren Herstellungskosten gerechnet werden, allerdings ist sie – bei Betrachtung der Lebenszykluskosten – nur mehr um 2,5 % teurer als die WDVS-Fassade mit EPS. Von den untersuchten Objekten ist die vorgehängte hinterlüftete Fassade mit Faserzementplattenbekleidung die teuerste Variante.

Die Ergebnisse der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung veranschaulichen, dass sich die Lebenszykluskosten der Fassadensysteme nicht gravierend unterscheiden. Allerdings zeichnen sich klare Differenzen beim Vergleich der Herstellungs- und Folgekosten ab. In de

Aus wirtschaftlicher Sicht hat sich die durch ein Vordach geschützte WDVS-Fassade mit EPS-Dämmung als kostengünstigste Fassade erwiesen. Der verzögerte mikrobielle Bewuchs führt zu längeren Reinigungszyklen und verringert dadurch die Lebenszykluskosten um ca. 15 %.

Eine ebenso günstige Variante ist die vorgehängte hinterlüftete Fassade mit Holzbekleidung. Bei dieser fallen innerhalb einer Lebensdauer von 40 Jahren keine Wartungskosten an. Bei einer Fassade mit WDVS aus Mineralwolle muss zwar mit  höheren Herstellungskosten gerechnet werden, allerdings ist sie – bei Betrachtung der Lebenszykluskosten – nur mehr um 2,5 % teurer als die WDVS-Fassade mit EPS. Von den untersuchten Objekten ist die vorgehängte hinterlüftete Fassade mit Faserzementplattenbekleidung die teuerste Variante.

Die Ergebnisse der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung veranschaulichen, dass sich die Lebenszykluskosten der Fassadensysteme nicht gravierend unterscheiden. Allerdings zeichnen sich klare Differenzen beim Vergleich der Herstellungs- und Folgekosten ab. In der Herstellung mögen WDVS-Systeme zwar am günstigsten sein, allerdings verursachen sie, verglichen mit den anderen Fassadensystemen, höhere Folgekosten. „Die Studie zeigt, dass oft die EPS-Fassade aufgrund der auf den ersten Blick günstigeren Errichtungskosten gewählt wird. Aber bei nachhaltiger Betrachtung der Lebenszykluskosten ist die Auswahl der Fassadenarten in Bezug auf die Ökologie und Wirtschaftlichkeit wesentlich größer“, fasst Landesinnungsmeister Bm. DI Alexander Pongratz zusammen.

Presseartikel zum Pressegespräch Fassadensysteme im Fokus der Lebenszyklusbetrachtung

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