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Nachlese Brennpunkt Alpines Bauen 2019

Lowtech und Klimaziele - ein heiß diskutiertes Thema

2. Oktober 2019, Fachsymposium an der FH Salzburg, Puch Urstein

Mehr als 300 Vertreter/innen der Baubranche fanden sich am 2. Oktober 2019 beim mittlerweile 6. grenzüberschreitenden Fachsymposium Brennpunkt Alpines Bauen an der FH Salzburg ein.
 
Low Tech - das Thema beim Brennpunkt 2019!

LowTech Bauen meint kosteneffizient, hochwertig und umweltverträglich zu bauen. Technikeinsparende, nutzerfreundliche Lösungen stehen dabei im Vordergrund. Das Programm war bewusst breit angelegt - der Bogen spannte sich vom Steinzeithaus bis hin zur Photovoltaik.

Keynotespeaker Arch. Peter Haimerl erläuterte seine eindrucksvollen Projekte im Bayerischen Wald – wie das vielfach ausgezeichnete Konzerthaus in Blaibach. Ein unterirdisches Konzerthaus – hauptsächlich aus Beton und Holz, möglichst simpel errichtet und vielfach prämiert. In Schedlberg rettete der Architekt ein halb verfallenes Bauernhaus - das Ergebnis ist so einfach wie beeindruckend. „Wenn ein Haus im Verfallszustand ist, kommt seine innere Stärke heraus“, ist das Kredo des Architekten. So wurden die noch vorhandenen Teile erhalten und die verfallenen vorwiegend durch Betonklötze ersetzt. „Das neue Bauteil trifft das alte, so entsteht eine Architektur, die man nicht planen muss“, sagt Peter Haimerl.


 
Klimaziele und rechtliche Vorschriften

Bei der Paneldiskussion diskutierten Peter Haimerl, Gunter Graupner (Kompetenzzentrum Bauforschung), Franz Mair (Land Salzburg) und Heinz Plöderl (ZT-Kammer Sbg u. OÖ) rege über das Thema Low Tech. Das Erreichen der Klimaziele, zu dem auch die Baubranche wesentlich beitragen kann, rechtliche Vorschriften und Förderungen standen im Kern der Diskussion.
Was die Klimaziele und deren Auswirkung auf das Bauen betrifft, müsse man den heimischen Betrieben stärker unter die Arme greifen, meint Günter Graupner. „Denn diese sind mit den vielen Vorschriften, die oft im Gegensatz zur Tradition stehen, und den neuen Rechenmodellen häufig überfordert.“
Solange man Neubauten fördert, die aufwendige, neue Infrastruktur brauchen, könne man nicht über Klimaziele sprechen, meint Peter Haimerl: „Das ist nicht energieeffizient oder nachhaltig. Wir müssen in Europa überlegen, welche Konzepte wir brauchen und diese mit Visionären entwickeln – auch über Systemgrenzen hinweg.“

Vor allem die rechtlichen Vorschriften wurden heiß. Heinz Plöderl plädiert dabei auf ein Ende der Verrechtlichung, man habe sich dieser in den letzten Jahren zu sehr unterworfen: „Wir müssen raus aus der Verrechtlichung und die Finanzwirtschaft muss raus aus der Bauwirtschaft!“, denn damit habe man unsere Lebensräume zu Tode plastifiziert, sagt der Fachmann. Franz Maier vom Land Salzburg setzte dagegen, dass es ohne gesetzliche Vorschriften und Rahmenbedingungen nicht funktionieren kann.

v.re: Gunther Graupner (Kompetenzzentrum Bauforschung), Heinz Plöderl (ZT-Kammer OÖ u.Sbg), Franz Mair (Land Salzburg), Peter Haimerl (Architekt) und Thomas Mussger (Moderation).

Im Anschluss wurden folgende Themenblöcke angeboten:

Bauen und Technik

  • Von Dubai bis Österreich - Lowtech am Beispiel des Expo Pavillons 2020 und alpiner Schutzhütten
  • Monitoring von Low Tech Häusern mit unterschiedlichen Heizsystemen
  • Trotz Bemühungen ungenau! Bauteilaktivierung im Energieausweis.

Alpine Baukultur

  • Baugeschichte im Salzburger Land von der Steinzeit bis heute
  • Übers Tragwerken mit Holz

lebenswerte Nachverdichtung und Energiesysteme

  • Perspektiven der Photovoltaikintegration
  • Analyse von baulichen und solaren Potentialen mit geographischen Informationssystem
  • Wichtigkeit, Potential und Schwierigkeiten der Gebäudeintegration von PV

Am Fachsymposium nahmen neben zahlreichen Vertreter/innen der Baubranche auch viele Studierende teil. Besonders für diese sind die aktuellen Forschungsergebnisse, die Beispiele aus der Praxis und das Netzwerken wichtige Anschlusspunkte für ihre weitere Tätigkeit. Das nächste Fachsymposium Brennpunkt Alpines Bauen wird im Herbst 2020 stattfinden.

Das Fachsymposium wurde veranstaltet vom Netzwerk Alpines Bauen  

und im Rahmen des Projekts Alpines Bauen - Low Tech gefördert.

 

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