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Bauteilaktivierung in der Sanierung

Ein Forschungsprojekt im F+I-NETZWERK ALPINES BAUEN, mitfinanziert durch INTERREG Österreich-Bayern 2014-2020 

       

1. Ausgangslage

Gebäude mit thermisch aktivierten Bauteilen haben mittlerweile auch im Bereich der Sanierung an Bedeutung gewonnen. Das Kompetenzzentrum Bauforschung greift mit dem Projekt „Sanierung mit Bauteilaktivierung“ dieses wichtige Thema auf.

Eva Habersatter-Lindner hat mitten in der Halleiner Altstadt ihre Traumwohnung gefunden. In Sachen Energieeffizienz gebührt der sanierten Wohnung dank Bauteilaktivierung ein Spitzenplatz. Bei der Heizung entschied sich die Baumeisterin für Bauteilaktivierung mit Wärme aus Strom. Eine Entscheidung, die sich als goldrichtig erwies. „Ich habe damit gerechnet, dass die Heizkosten nicht sehr hoch sein werden. Aber dass es so wenig ist, hat mich überrascht“, erzählt die Bauherrin.

2. Zielsetzung

Um zu überprüfen, ob es sich hier um einen Einzelfall handelt oder ob diese Einsparungen bei weiteren Sanierungsprojekten mit Bauteilaktivierung erzielt werden können, wurde das vorliegende Forschungsprojekt umgesetzt.

Basierend auf der Sanierung der zweistöckigen Altbauwohnung wurde von einem Team der FH Salzburg eine Untersuchung durchgeführt. Ziel war es zu ermitteln, ob der geringe Energiebedarf auf das verwendete Wärmeabgabesystem zurückzuführen ist.

Ausschlaggebend für das Forschungsprojekt war außerdem der Energieausweis, der für das Testobjekt erstellt worden war. Wie sich herausstellte, war der hochgerechnete Energiebedarf mehr als doppelt so hoch als der tatsächliche Verbrauch. Die aktuelle Untersuchung geht den Ursachen dieser hohen Diskrepanz auf den Grund und dient als Anstoß für weitere Forschungen in diesem Bereich.

3. Untersuchung

Bei der Analyse des Heizungssystems und der Bauteilaktivierung des Testobjekts kamen verschiedene Messmethoden zum Einsatz. Neben der Durchführung einer Bauteilmessung wurden ein Wärmemengenzähler und vier Datenlogger für Temperatur und relative Luftfeuchtigkeit installiert. Am Ende wurde anhand der gesammelten Daten eine Simulation des jährlichen Energieverbrauchs erstellt.

Die Ergebnisse lassen einen Vergleich zwischen Simulationsergebnis und durchschnittlichem jährlichen Stromverbrauch zu. Mit einer Abweichung von ca. 9% fällt die Diskrepanz wesentlich geringer aus als jene zwischen Energieausweis und Energiebedarf.

Die Leistungsfähigkeit der Bauteilaktivierung ist also über den Energieausweis nicht darstellbar. Dazu braucht es detaillierte Simulationen.

4. Forschungsergebnisse

Insgesamt sind fünf wesentliche Ursachen für die hohe Differenz zwischen Bedarf laut Energieausweis und tatsächlich gemessenem Energieverbrauch verantwortlich. Neben Lüftungswärmeverlusten und Transmissionswärmeverlusten gab es auch geringere Abweichungen bei solaren Gewinnen, Wärmebrückenverlusten und internen Lasten.

5. Fazit und Ausblick

Die Untersuchung der FH Salzburg bestätigt, dass aktivierte Bauteile auch bei nachträglicher Wandtemperierung stark schwankenden Außentemperaturen standhalten. Die massiven Wände als Energiespeicher gleichen Oberflächentemperatur und Lufttemperatur natürlich aus und sorgen für ein behagliches Raumklima. Zudem gehört Schimmel seit der Sanierung der Vergangenheit an, die Wände sind trocken. Nicht zuletzt bringt die thermische Bauteilaktivierung eine deutliche Kosteneinsparung mit sich.

Im Energieausweis ist dieser Vorteil allerdings nicht ersichtlich – Energiebedarf und tatsächlicher Verbrauch gehen weit auseinander. Die tatsächlichen Lüftungswärmeverluste und Transmissionswärmeverluste weichen am stärksten vom berechneten Bedarf ab. Beide Werte wurden im Energieausweis höher angesetzt. Hauptgrund dafür ist die unterschiedliche Erfassung des Gebäudes und des Nutzerverhaltens.

Der Energieausweis bildet eine wichtige Grundlage für viele Entscheidungen, die das Eigenheim betreffen. Daher sollte dieser kritisch hinterfragt und gegebenenfalls angepasst werden. Das Forschungsprojekt „Sanierung mit Bauteilaktivierung“ zeigt wichtige Problemfelder auf und dient als Anstoß für weitere Untersuchungen.